Fokus auf Beobachtbares

Von Torsten Groth

Kürzlich, zum Einstieg unseres swf-Jahresforum „Unter Anwesenden – Muster und Dynamiken in Interaktionen“, habe ich einige swf-Prämissen, die wir vor allem in unserem swf-Grundkurs „Systemische Organisationsberatung“praktisch vermitteln, nochmals „unter die Lupe genommen“ …



Der Ausspruch: „Fokussiere auf Beobachtbares, aber misstraue dem Augenschein“ bringt es auf den Doppel-Punkt:

  1. Es ist hoch relevant, die beobachtbaren (Konflikt-) Dynamiken im Kundensystem als Grundlage der Beratung zu nehmen: Wer reagiert wie auf wen, wie geht es weiter … usw. Im Konkreten zeigt sich, „was der Fall“ ist …
  2. Und im gleichen Maße ist es relevant, sich hiervon nicht zu sehr einnehmen zu lassen. Verbleibt Beratung einzig beim „Augenscheinlichen“, dann fügt sie dem Erleben der Kunden wenig Neues hinzu (Kunden neigen oft dazu, zu stark zu personalisieren … ). Man muss sich also von den Schilderungen des Kunden lösen und auf „Kontexte“ und „Spielregeln“ fokussieren, die erst dafür sorgen, dass es zu den geschilderten (Konflikt-)Dynamiken kommt.

Wer das Handwerk erlernt hat, um (Interaktions-)Dynamiken zu erfragen, und eine von Theorie inspirierte Idee hat, wie soziale Systeme funktionieren, der ist in der Lage, die anspruchsvolle Aufgabe zu bewerkstelligen, das Beobachtbare ernst zu nehmen und zugleich dem Augenschein zu misstrauen …